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Mein Weg mit Kundalini (16)

Aktualisiert: 24. Sept. 2022

Die Eröffnung zu Brahmas Schöpfung - Teil 1


Bevor alles begann..


Als ich mit meinem Gesangsstudium im Spätsommer 1995 begann, machte ich Kontakt mit vielen deutschen Studenten, denn ich war der holländischen Sprache noch nicht wirklich mächtig. Da der Anteil der deutschsprachigen Kommilitonen in etwa 40% betrug, lag es sehr nahe, sich erst mal mit den deutschen Studenten und Studentinnen zu verbinden. Darunter gab es auch einen jungen Mann, den ich hier mal Manu (kommt von Manuel) nennen werde, den ich von Anfang an immer wieder als sehr unterstützend empfand und ich ihn wirklich sehr gern mochte, weil er mir ein Gefühl von Willkommen-Sein schenkte. Ich sprach mit ihm oft in den Pausen. Ich war erst mal nur menschlich-musikalisch an ihm interessiert, denn er war ein wirklich guter Jazzgitarrist und er hatte so eine tiefe emotionale Art, sich auszudrücken, sowohl im Gespräch als auch in der Musik, die mich magisch anzog. Sozusagen mein musikalisch-männliches Pendant. Und wenn wir eines über Tantra und Kundalini wissen, dann, dass Shakti und Shiva sich mächtig angezogen fühlen. Und das würde ich genauso sehen - vielleicht aus meiner Sicht eher stärker, denn Manu war immer auf der Suche nach einer Frau, die ihn 'umhaut' - er liebte und schätzte Frauen sehr. Und ich liebte und schätzte diese Eigenschaft bei Männern, also auch bei ihm. Und ich schätze, dass das bis heute unverändert blieb.


Ich kam zum dritten Mal in Folge in das erste Jahr und dieses Mal sollte es wirklich voran gehen und ich bestand die nächsten Jahre alle meine Übergangsprüfungen mit guten bis sehr guten Benotungen. In dem dritten "ersten Jahr", als ganz offiziell der Jazzgesangsstudiengang in Enschede durch eine wunderbare Gesangslehrerin bestätigt wurde, kamen auch viele neue Gesangsstudenten für Jazz und Lichte Muziek hinzu. Es war ein sehr aufregendes und interessantes Jahr und es war ein gutes Gefühl endlich mit Kollegen und Kolleginnen zusammen an einer Hochschule zu studieren und sich auszutauschen. Der Zusammenhalt war da und es machte mir sehr viel Freude, mich komplett an den Gesang hinzugeben.


Den Namen meiner Gesangslehrerin ändere ich nicht, denn sie hat mir in dieser Zeit wirklich mein Leben als Sängerin zurückgegeben. Mit ihrer Art des Unterrichts war meine Stimme und Seele komplett getragen und ich fühlte mich wohl. Adrienne war eine Frau, die sich durchaus der Energien, die wir in der Musik durch uns durchfließen lassen und daraus unsere Kunst weben, sehr bewusst war. Und das kam mir natürlich auch sehr recht. Obwohl ich anfänglich wirklich ein sehr kopflastiger Nervenbolzen war. Ich wollte alles mit dem Kopf verstehen. Alles analysieren, was da stimmtechnisch in meinem Körper geschieht. Ich wollte meine Stimme über den Kopf kontrollieren. Was ja naheliegend war, denn ich hatte es ja mit meinem Bauchgefühl probiert und es ging ja immer wieder schief. Doch bei Adrienne musste ich es eigentlich nicht und es gab einmal eine Stunde, wo ich nicht sonderlich gut vorbereitet war. Adrienne hat dies sofort bemerkt und mich ohne ein Wort zu sagen eine ganze Gesangsstunde die Tonleitern rauf und runter üben lassen. Sie saß 45 Minuten ungerührt und meditativ am Klavier, schlug eine Taste nach der Anderen an und ich sollte die Übungen dazu singen. Natürlich war ich immer wieder im inneren Kampf mit mir und meinen Schuldgefühlen, dass ich nicht geübt habe mit der Mischung aus dem Gefühl nichts zu können und Adrienne griff gnadenlos eine Taste nach der anderen und ich konnte kaum hinterher kommen mit den Tönen. Ich schwitzte wie nach einem dreiminütigen Sprint und als die Stunde fast beendet war, schaute sie mich mit ihren großen (wunderschönen!) braunen Augen an und sagte: "Do you wanna be a professional amateur or a professional professional?!"


WOW - das saß! Mein Ego wollte nur noch weglaufen und das tat ich auch. Voller Wut packte ich meine Sachen und ging aus dem Zimmer. Ich vermied es, die Tür zuzuschmeißen und dieser Impuls, die Tür NICHT zuzuschmeißen half mir zu erkennen, um was es da gerade ging. Ich ging zu einem leeren Treppenhaus und setzte mich. Dann kamen die Tränen und ich bedauerte mich erst mal selbst. Dann begriff ich, was sie gerade getan hat. Sie hatte den Sockel zerstört, auf den ich sie gesetzt habe. Und das war gut so. Denn nun konnten wir uns auf Augenhöhe begegnen und es gab nie wieder eine Gesangsstunde, wo ich nicht vorbereitet war, denn ich verstand, dass es nicht um stimmliche Techniken geht, sondern in erster Linie erst mal darum, für sich selbst einzustehen und die Eigenverantwortung zu übernehmen. Und so kam ich immer mehr in meine Kraft und glaubte wieder an mich. Im Nachhinein betrachtet, weiß ich genau, dass Adrienne meine Seele zurückgeholt und geheilt hat lassen. Ohne sie wäre ich keine Sängerin geblieben ... ich wäre zerbrochen und dass das nicht geschah, verdanke ich ihr. Meine erste große Lehrerin - ich verneige mich in tiefer Dankbarkeit! Die Übergangsprüfung vom ersten in das zweite Jahr habe ich mit 7,5 Punkten (das ist ne stabile zwei minus) bestanden und brach auch danach direkt in Tränen aus und alles konnte sich aus mir lösen, was sich die letzten drei Jahre in mir angestaut hatte. Ich war endlich in mir selbst als Persona Sandra und Sängerin angekommen. Ich fing an, mich selbst zu versorgen und Dinge zu tun, die mir gut taten und Dinge zu lassen, die mich in meiner Kraft zerstören wollten.


Eine wirklich gute Gesangsstudienzeit begann und ich durfte lernen und wachsen und schloss auch nun viele Freundschaften mit holländischen MitstudentInnen. Ich war endgültig angekommen.


In dieser ganzen Zeit war Manu immer irgendwie da, wenn ich mich austauschen wollte. Ich konnte es nicht ganz greifen, was genau uns verband. Es sollte sich irgendwann zeigen, was er in mir auslösen würde.




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